Pressemeldungen

Hamburger Wochenblatt, 27.01.2016

Neuer Knabenchor Hamburg singt seit 25 Jahren
Bild Wochenblatt

 

Hamburger Abendblatt, im Dezember 2014

Chorgesang und Lesung mit dem Neuen Knabenchor Hamburg

Adventszeit – Zeit zum Zuhören. Die Hauptkirche St. Jacobi (Jakobikirchhof 22) lädt an diesem Sonnabend um 18 Uhr zu einem besinnlichen Liederabend samt Lesung. Gemeinsam mit dem Neuen Knabenchor Hamburg trägt der Schauspieler Peter Franke das britische “Festival Of Nine Lessons And Carols” vor. Die Leitung hat Jens Bauditz inne. Karten kosten zwischen 15 und 21 Euro, ermäßigt zwischen 7 und 10 Euro.

 

Presseinformation, Hamburg, 3. Juni 2014

Gloria Brunis „Glockenlied“ wird beim Festival „Hamburg spielt auf“ am Jungfernstieg uraufgeführt.

„Vielseitig und selbstbewusst, doch ihrem persönlichen Empfinden und Stil treu, balanciert Bruni zwischen den Genres, hält sich nicht an gängigeKategorien wie ,E’- oder ,U’-Musik.“ (Das „Hamburger Abendblatt“ über Brunis 1. Sinfonie „Ringparabel“)

Im Rahmen des neuen Musikfests „Hamburg spielt auf“ wird am 5. Juli um 20 Uhr amJungfernsteig ein neues Werk der Hamburger Komponistin Gloria Bruni uraufgeführt: Für das „Glockenlied“ hat Bruni unter anderem Texte der Dichter August Heinrich Hoffmann vonFallersleben (1798-1874) und Georg Christian Dieffenbach („Gute Nacht, Gute Nacht“) vertont.

Außerdem hat Bruni die Originalklänge der Glocken der Hamburger Hauptkirchen St. Nikolai,St. Jacobi, St. Katharinen, St. Petri und St. Michaelis in ihre Komposition integriert. Die Bezugnahme auf Fallersleben passt geradezu ideal zum Aufführungsort am Jungfernstieg, denn dort wurde am 5. Oktober 1841 erstmals das von ihm gedichtete „Lied der Deutschen“ öffentlich gesungen. „Ich freue mich sehr darüber, dass mein Stück am Jungfernstieg aufgeführt wird. An diesem zentralen Hamburger Ort klingt die Stadt wie ein sich ständig wandelndes Instrument“, sagt Bruni. Aufgeführt wird das „Glockenlied“ auf einer Bühne am Anleger Jungfernstieg von Musikern der Hamburger Symphonikern (Leitung Wilhelm Keitel), es singt der Neue Knabenchor Hamburg (Leitung Jens Bauditz).

Im Anschluss an das etwa fünf Minuten dauernde Stück wird am gleichen Ort auch Brunos „Sinfonie Nr. 1 – Ringparabel“ erklingen, ein Stück, das sie anlässlich des 275. Geburtstagsder ältesten deutschen Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ schrieb und das im September 2012 in der Laeiszhalle von den Hamburger Symphonikern uraufgeführt wurde. Textgrundlage dafür war die berühmte Ringparabel aus Lessings Drama „Nathan der Weise“, die im Geiste der Aufklärung den moralisch richtigen Umgang mit Wahrheit und Weisheit, mit Toleranz und Menschlichkeit thematisiert. Nach der von Presse und Publikum gefeierten Uraufführung in Hamburg feierte die Sinfonie am 31. Mai 2013 ihre internationale Premiere in Istanbul und wurde auch anlässlich der Verleihung des Lessing-Preises 2014 an den Kulturwissenschaftler Wolfgang Schivelbusch im Thalia Theater gespielt. Ausführende sind die Hamburger Symphoniker (Dirigent: Wilhelm Keitel), Deborah Humble (Mezzosopran), Ralf Grobe (Bass) sowie die Hamburger Alsterspatzen und der „One Voice Chor“ unter Leitung von Jürgen Luhn.

Schirmherr des Festivals, das vom 3.-6. Juli im Herzen Hamburgs stattfindet, ist Andy Grote, der Leiter des Bezirksamts Mitte. Veranstalter ist der Verein „Lebendiger Jungfernstieg e.V.“.

Hamburg spielt auf (3. – 6. Juli 2014)
Samstag, 5. Juli 2014, 20 Uhr
Anleger Jungfernstieg (Open Air)

Eintritt frei

Uraufführung „Glockenlied“ von Gloria Bruni
Hamburger Symphoniker, Dirigent: Wilhelm Keitel
Neuer Knabenchor Hamburg, Dirigent: Jens Bauditz

Sinfonie Nr. 1 – Ringparabel
Hamburger Symphoniker, Dirigent: Wilhelm Keitel
Deborah Humble, Mezzosopran
Ralf Grobe, Bass
Hamburger Alsterspatzen und One Voice Chor, Dirigent: Jürgen Luhn

Gloria Bruni

Empfindungen in Töne umzusetzen, das ist ein zutiefst individuelles Anliegen. Für die Komponistin und Musikerin Gloria Bruni steht dabei immer der Mensch im Mittelpunkt. Seine Gefühle, sein Glauben, seine Hoffnungen. Musik in all ihren Spielarten ist für sie eine universale Sprache, die unmittelbar verstanden und mit empfunden werden kann. In den vergangenen Jahren wurde sie durch vier sehr unterschiedliche Formate bekannt. Jedes von ihnen trägt auf charakteristische Weise ihre Handschrift und dokumentiert ihre stilistische Vielseitigkeit: das „Requiem a Roma“, das Musical „The Thorn Birds“, die Oper für Kinder „Pinocchio“ und die Sinfonie Nr. 1 „Ringparabel“. Bruni stammt aus Oscherleben/Bode im Harz. Ihr Vater war Physiker, 1963 zog die Familie aus beruflichen Gründen nach Hamburg. Musik entwickelte sich schon früh zum Mittelpunkt ihres Lebens. Die ersten Stücke schrieb sie bereits während der Schulzeit, einem Musiklehrer fiel das Gesangstalent des jungen Mädchens auf. Bruni studierte einerseits Zahnmedizin, andererseits Komposition bei Diether de la Motte und Gesang bei Naan Pöld in Hamburg, später in München und Mailand. Während des Studiums hat sie in Kirchenkonzerten Violine gespielt sowie Pop und Jazz in Clubs gesungen. Als Geigerin in der „Camerata Accademica“ und dem Orchester des Salzburger Mozarteums nahm sie an mehreren Tourneen teil und spielte unter anderem auch in der New Yorker Carnegie Hall und im Kennedy Center in Washington, D.C.

Als Komponistin und Interpretin wurde sie mit dem 1. Bundespreis des Landesverbands der Tonkünstler und Musiker ausgezeichnet. Als Sängerin trat sie unter anderem beim Puccini-Festival Torre del Lago auf, an der Mailänder Scala, mit den London Mozart Players an der Dresdner Semperoper sowie im Leipziger Gewandhaus. Gloria Bruni ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt mit ihrem Mann im Herzen Hamburgs.

 

SHZ-Nachrichten 08.02.2013

Kleine Sänger begeistern ihr Publikum mit großen Stimmen

Hamburg | Der neue Knabenchor Hamburg ist eines der größten Ensembles an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. 1991 wurde er unter der Leitung von Brigitte Siebenkittel gegründet und entwickelte sich zu einer über Hamburgs Grenzen hinaus bekannten Knabenchorschule. Seit einem Jahr leitet Jens Bauditz die Knaben. Aufgewachsen im Dresdner Kreuzchor, sang Bauditz bereits selber als Knabe alt solistische Partien an der Komischen Oper Berlin, am Staatstheater Cottbus und an der Semperoper Dresden. “Es ist toll, jungen Menschen Musik näher zu bringen”, sagt er.

Ob Dresdner Frauenkirche, Mailänder Dom oder Deutscher Bundestag – wo der Knabenchor auch auftritt, stets ist das Publikum begeistert. Prominentester Zuschauer bislang: der Papst, während einer Heiligen Messe im Petersdom. “Jungs, ihr wart Klasse”, sagte der damalige Bundespräsident Horst Köhler einmal begeistert nach einem Auftritt im Bundestag.

Von Dienstag bis Freitag kommen insgesamt bis zu 100 Jungen zu den Proben. Der Chor besteht aus drei Vorchören für Kinder bis neun Jahren und dem aus Knaben- und Männerchor zusammengesetzten Hauptchor, sowie dem Männer-Vorchor. Auch während des Stimmwechsels bleiben die Jungen als Mitglieder des Männerchores in der Knabenchorschule verankert. Zwischen zwölf und 13 Jahren bekommen die Jungen ihren Stimmbruch. Manchmal sogar schon eher. “Das wird immer früher”, weiß Bauditz. Doch in der Chorschule gehen alle mit dem Thema offen um.

Es sind unterschiedliche Lernmethoden, die der gebürtige Dresdner je nach Alter und Reife anwendet. Die kleinsten Knaben sind erst drei Jahre alt und brauchen besonders viel Aufmerksamkeit. Die Proben der ganz kleinen geht daher nur eine halbe Stunde. “Spielerisch führe ich die Nachwuchschöre ans Singen und an die Literatur heran”, sagt Bauditz. “Die Knaben hoffen schnell in den Hauptchor zu kommen.” Ab acht Jahren haben sie die Möglichkeit mit den Großen zu singen. Dort herrscht Disziplin. Keiner redet oder lacht. Sie singen.

Die Großen sind aber auch gar nicht so groß. Paul (9) gehört seit kurzer Zeit dem 35-Mann großen Hauptchor an. Mit dabei ist auch Klassenkamerad Julius (11). Zwei Mal in der Woche Proben, Probenwochenenden, eine Probenwoche und mehrere Auftritte im Jahr: Der Knabenchor verlangt den Jungen viel ab. “Es ist ganz klar Hobby Nummer Eins”, meint Jens Bauditz. Doch Julius und Halb-Spanier Paul haben noch weitere Hobbies: Klavier, Tennis, Judo, Big Band und Trompetenunterricht. “Irgendwann kommt der Punkt, an dem andere Hobbies, Computer oder Fußball cooler sind”, sagt Jens Bauditz. Die Folge: der Chor schrumpft. “Viele sind aber auch im Vorchor groß geworden und setzen das Singen im Hauptchor fort”, meint Bauditz.

Im Gegensatz zu den meisten Chören gehört der neue Knabenchor keiner Kirche und keiner Konfession an. Das Repertoire des unabhängigen Chores umfasst geistliche und weltliche A-cappella-Literatur aller Epochen. Seit seiner Gründung gab der Chor über 300 Konzerte. In Hamburg bleiben die regelmäßigen Auftritte im Michel in Erinnerung, weiß Bauditz: “Der Michel ist für die Kinder das größte”. Noch finden die Jungen Singen ziemlich cool. Nur eines weiß Friedrich (11): “Ich will später auf gar keinen Fall Opernsänger werden.”

 

Chorjugend aktuell


Interview mit dem Chorleiter des Neuen Knabenchores Hamburg, Jens Bauditz
Geführt am 9. August 2012 durch Jugendreferentin Christiane Canstein

Christiane Canstein: Jens, seit Janur 2012 leitest du nun schon den Neuen Knabenchor Hamburg. Was hat dich ganz besonders an dieser Chorleiterstelle in Hamburg gereizt?

Jens Bauditz: Das hat viel mit meiner eigenen Vergangenheit zu tun. Ich bin in Dresden im Kreuzchor groß geworden und habe als Knabe, als kleines Kind, singen gelernt. Das jetzt aus der anderen Perspektive zu sehen, nämlich aus der des Leiters, das war der erste große Reiz. Mit Musik groß zu werden und Hamburger Jungen diese musikalisch gesehen lebenswichtigen Impulse weiter vermitteln zu können, das ist eine weitere ganz ganz große Motivation und ich bin froh, dass es so mit der Stelle geklappt hat.

Christiane Canstein: Welche Ziele und Visionen verfolgst du mit diesem Chor?

Jens Bauditz: Da denke ich im Moment zunächst kurzfristig. Zum Einen ist da die musikalische Arbeit, wo der Chor, ganz pauschal gesagt, Freude am Musizieren hat, aber auch – vor allem im Hauptchor – seinen Leistungsanspruch verwirklicht und weiterentwickelt. Die Basisarbeit in den Vorchören bereitet die Knaben dahingehend vor. Höhepunkte sind immer die tollen Konzerte, in denen alle die Musik in der Wechselwirkung mit dem Publikum erleben und darin ein, trotz vieler Konzerte im Jahre, einmaliges Erlebnis spüren.

Neben dem Musikalischen gibt es die organisatorische Seite – dass der Chor wächst und eine Ausstrahlung hat, sich in Hamburg und darüber hinaus weiter etablieren kann, dass wir schöne Reisen miteinander machen etc.

Von meiner Person aus ist es darüber hinaus ersteinmal wichtig, gute Musik zu machen und mit den Knaben eine gemeinsame Sprache zu finden, um dieses Ziel erreichen zu können.

Christiane Canstein: Vielleicht kannst du noch einmal kurz erklären, wie der Neue Knabenchor organisiert ist?

Jens Bauditz: Die Allerkleinsten können mit 3 Jahren hier einsteigen. Das Interesse der Familien ist sehr groß, auch so kleine Jungen in der Knabenchorschule mitsingen zu lassen um sie mit Musik zu begeistern und groß zu ziehen. Die Nachwuchschöre sind in drei Vorchören organisiert: Vorchor1 (3-5 Jahre), Vorchor 2 (5-7 Jahre), Vorchor 3 (bis max. 9/10 Jahren).

Mit den Vorchören machen wir auch Konzerte und Auftritte, aber die Hauptaufgaben und großen Konzerte und Reisen unternimmt der Hauptchor, wo sich die Probenarbeit und das Repertoire deutlich intensivieren. Die Knaben sind dann in einem Alter, in dem sie auch den Herausforderungen großer Konzerte gewachsen sind. Nach dem Stimmbruch können die jungen Männer bis zum Alter von 25 Jahren mitsingen – auf Sonderantrag geht es auch länger.

Christiane Canstein: Und welche Voraussetzungen muss ein Junge erfüllen, um in den Knabenchor aufgenommen zu werden? Gibt es eine Art “Aufnahmeprüfung” oder kann sich jeder anmelden?

Jens Bauditz: In den beiden ersten Vorchören ist erst einmal “Freude am Singen” die große Überschrift und dann stellt sich im Laufe der Zeit heraus, ob sie in der Gruppensituation zurechtkommen. Denn miteinander singen heißt ja auch miteinander die Probenzeit zu teilen. Für den Vorchor 3 und den Hauptchor gibt es dann ein Vorsingen, in dem musikalische Grundkenntnisse, Blattsingen und natürlich eine gute, gesunde Stimme eine Rolle spielen.

Christiane Canstein: Habt ihr Nachwuchssorgen bei den Knaben?

Jens Bauditz: Immer (lacht)! In den letzten Monaten haben wir eine Vielzahl von interessierten Jungen zum “Schnuppern” eingeladen. Glücklicherweise wurde das sehr gut angenommen und es kommt immer mehr Nachwuchs. Aber man weiß nie genau, wie lange bspw. ein Dreijähriger dabei bleibt oder ob nicht irgendwann doch der Fußball plötzlich über die Stimme hinauswächst. Somit sind wir jederzeit offen und nehmen gerne neue und musikbegeisterte Jungen an, damit wir die Knabenchorschule kontinuierlich fortsetzen können.

Momentan ist es tatsächlich so, dass wir im Hauptchor relativ wenig Sänger haben und im Bereich der 8/9 Jährigen eher dünn besetzt sind. Aber da ist es hoffentlich nur eine Frage, bis neue Jungen wieder “heraufwachsen”.

Christiane Canstein: Weißt du, was ihr so für ein Einzugsgebiet habt?

Jens Bauditz: Relativ hamburgweit. Es sind einige Sänger aus Langenhorn und Farmsen, auch aus Stadtteilen südlich vom Hafen dabei. Für die ist es natürlich manchmal anstrengend, nach der Schule noch einmal in die Stadt zu fahren und nach der Probe wieder zurück, aber die Motivation und der Zuspruch sind groß.

Christiane Canstein: Ist es nicht gerade in der heutigen Zeit “uncool”, in einem Knabenchor zu singen?

Jens Bauditz: (Lacht) Also bitte!! (Lacht) Nee! Ich weiß von keinem, der das verschweigt oder alibimäßig mit dem Fußballtrikot herumrennt und dann doch zum Chor geht. Im Gegenteil, wir machen das Singen, auch von alter Musik, zu einem jungen, coolen Hobby.

Christiane Canstein: Du warst selbst lange Zeit Sänger im Dresdner Kreuzchor und leitest darüber hinaus einen Männerchor bestehend aus Alumni (Ehemaligen) des Kreuzchores. Worin liegt deiner Meinung nach die Fasziniation Knabenchor?

Jens Bauditz: Es ist ein ganz besonderer farbenreicher Klang, der durch die Knabenstimmen entsteht. Dazu kommt noch eine lange Tradition, die viel zum Zauberhaften beiträgt und eben die Literatur, bei der man einerseits irgendwie begrenzt ist, wenn man jedoch an Schütz oder Bach denkt, so merkt man im Knabenkolorit: “Ah, so hat der alte Meister das gemeint und gehört”.

Christiane Canstein: Und wie faszinierst du dann die Jungen für diese ihnen “unbekannte” Literatur?

Jens Bauditz: Die Musik tut da vieles schon selbst. Zudem versuche ich durch Geschichten und musikalische und textliche Inhalte sowie durchs Hören die Töne und alles Weitere näherzubringen. Wir hören uns auch mal eine Aufnahme gemeinsam an, wodurch die Neugierde geweckt wird, dieses Werk selber zum Klingen zu bringen.

Christiane Canstein: Wie sieht es bei euch mit der Probendisziplin aus?

Jens Bauditz: Also in den kleinsten Vorchören ist es manchmal bunt (lacht!). Das ist auch eines der Ziele, wie ich es eben schon sagte, in der Gruppe eine Disziplin zu erlernen. Ich gehe dabei nicht “diktatorisch” vor, sondern strebe eine Balance zwischen lebendiger Freude und Konzentration an. Gerade mit neuen Mitgliedern muss diese Balance erst einmal wachsen.

Bei den Älteren funktioniert das schon sehr gut. Im Hauptchor helfen klare Ansagen und da klappt das sehr gut.

Christiane Canstein: Wie viele Konzerte haben die Knaben so im Durchschnitt?

Jens Bauditz: Der Hauptchor hat zwei große Konzertwochenenden pro Jahr.

Wir hatten jetzt Anfang September unsere (Spät-)Sommerkonzerte, im Dezember folgt das “Weihnachtsoratorium” von Johann Sebastian Bach. Darüber hinaus gibt es viele Auftritte, zum Beispiel in der Adventszeit oder bei Gottesdiensten und bei kleineren und größeren Veranstaltungen. Alle zwei Jahre findet bei uns eine Konzertreise ins Ausland statt (bisherige Ziele waren u. a. Barcelona, Rom, Prag und die USA).

Christiane Canstein: Wie schaffen es die Knaben, Schule und Chor zeitlich unter einen Hut zu bringen?

Jens Bauditz: Die meisten sind gut organisiert und schaffen es, den Chor als ihr Hobby Nummer 1 zu verwirklichen. Das Thema “Ganztagsschule” ist allerdings ein Problem, da wir mit den Probenzeiten schon sehr weit hinten an die Kante stoßen, wo die Jungs auch irgendwann mal zu Abend essen müssen. Noch geht es, gerade bei denen, die schon länger dabei sind und sich auf das Pensum eingestellt haben. Nun hoffen wir, dass es so positiv weitergehen wird.

Christane Canstein: Wenn man die Medien verfolgt, dann gibt es ja immer wieder Plädoyers für das Singen mit Kindern, in den Familien. Auch unsere Mitgliedschöre im Chorverband beschäftigen sich immer wieder mit dem Thema “Nachwuchs”. Was fällt dir spontan ein, was könnte man im Chorverband tun, um Kinder und Jugendliche anzusprechen? Welches Repertoire eignet sich?

Jens Bauditz: Auf jeden Fall viel gemeinsam Singen. Denn die Stimme ist das natürlichste Instrument und lässt uns die Klangresonanz im ganzen Körper spüren. Als Literatur eigenen sich für die Kleinsten vor allem auch Lieder, die die Kinder bereits aus dem Kindergarten oder der Schule kennen, denn da können sie gleich mit einstimmen. Dann natürlich Kanons und schwungvolle Lieder, auch Abwechslungsreiches – damit kann man die meisten kleinen Kinder abholen.

Christiane Canstein: Und wann schwenkst du dann um von der Literatur in Richtung Bach, Schütz?

Jens Bauditz: Das beginnt sukzessive im 3. Vorchor. Da singen wir meist auch noch einstimmig, ich versuche dann aber allmählich in die Mehrstimmigkeit überzugehen. Dann singen wir auch mal komplexere Weisen oder bspw. anspruchsvollere Texte und tauschen uns darüber aus.

 Christiane Canstein: In der zweiten Gruppe, die ich hospitiert habe, gab es ein Kind, das gerne alleine vorsingen wollte. Ab wann machen die Knaben das, bzw. wann versuchst du dieses bewusst zu fördern?

Jens Bauditz: Von Anfang an, auch schon bei den Allerkleinsten. Ich frage dann “Wer möchte jetzt mal?” und meist meldet sich gleich der erste und kommt ganz automatisch nach vorne, stellt sich vor die beiden Stuhlreihen, singt los und freut sich über den Applaus am Ende, wenn es geklappt hat. Natürlich gibt es auch schüchterne Jungen, die Überwindung brauchen – und keiner wird gezwungen – aber die meisten freuen sich an diesem Erfolgserlebnis.

Christiane Canstein: Ab wann beginnt dann die begleitende Stimmbildung?

Jens Bauditz: Die beginnt verpflichtend ab dem Vorchor 3. Wer mag, oder wem ich es empfehle, der kann schon im Vorchor 2 auf dieses Angebot zurückgreifen.

Christiane Canstein: Was passiert, wenn die Jungen dann in die Mutation (Stimmbruch) kommen?

Jens Bauditz: Ich lasse die Jungen auch im Stimmbruch durchsingen. Unsere Gesangslehrerin Elena Swoboda betreut die Stimmen individuell weiter und die Jungen sitzen dann in der Männerchorprobe – selbst wenn sie dann noch nicht gleich mitsingen und ihre neue Stimme erst einmal suchen, so sollen sie doch mit dabei sein, musikalisch weiter lernen, auch zuhören und vor allem im Chorverbund bleiben.

Christiane Canstein: Bekommst du Rückmeldungen von den Jungen? Wie empfinden die diese Umstellung?

Jens Bauditz: Natürlich erst einmal als ganz persönliche eigene Umstellung, die schwierig ist. Die meisten sind ganz froh dabei zu bleiben, mit auf die Probenfahrten zu kommen und nicht in ein Extragrüppchen gesteckt zu werden. Ich erinnere mich noch an meinen eigenen Stimmbruch und vor allem das unbekannte Gefühl danach, nicht zu wissen, ob und wie ein Ton anspringt. Aber auch da hilft es, im Training zu bleiben und sich mit der neuen Stimme anzufreunden.

Christiane Canstein: Vielen Dank, Jens, für dieses ausführliche Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei deiner Arbeit!

Hamburger Abendblatt, 24.09.2011

Neuer Knabenchor Hamburg feiert 20-jähriges Bestehen

St.-Johannis-Kirche. Das Streben nach höchster musikalischer Vollkommenheit ist für diesen Chor das Maß aller Dinge. Der glasklare Gesang und die vollendete Gestaltung der Musik haben rund um den Globus das Publikum bewegt. Sogar den Papst persönlich, während einer Heiligen Messe im Petersdom. Am Sonntag feiert der Neue Knabenchor Hamburg sein 20-jähriges Bestehen. Der Chor der Staatlichen Jugendmusikschule ging 1991 aus dem Knabenchor der St.-Nikolai-Kirche hervor und hat sich anspruchsvoller A-cappella-Musik aller Epochen verschrieben. Auch Aufführungen der Matthäus-Passion sind Bestandteil der Chor-Chronik. Im Oktober wird der Knabenchor in Barcelona konzertieren. Die Einnahmen des Jubiläumskonzertes mit Chormusik aus der Renaissance und dem Frühbarock dienen der Finanzierung dieser Reise.

 

Hamburger Abendblatt, 20.10.2009

Romreise: Großer Auftritt vor Papst Benedikt

Die Chorsänger gestalteten in der prunkvollen Vatikanischen Basilika eine Heilige Messe. Ihr Gesang begeisterte die Besucher des Petersdoms.

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Hamburg. So etwas werden sie wohl nie wieder erleben. Das ist den kleinen und großen Sängern des Neuen Knabenchors Hamburgs bewusst. Denn wie oft im Leben wird man schon vom Papst eingeladen, im Petersdom zu singen? Und wer wird schon bei einer großen Audienz von Benedikt XVI. namentlich begrüßt?

Gestern war ihr großer Tag: Am späten Nachmittag gestalteten die Chorsänger in der prunkvollen Vatikanischen Basilika eine Heilige Messe. Ob “O salutaris ostia” von Rossini, “Adoramus te, Christe” von Gasparini oder “Deine Rede präg ich meinem Herzen ein” von Mendelssohn Bartoldy – ihr klarer Gesang begeisterte die Besucher des Petersdoms. “Wir sind glücklich, dass wir die Leute durch unseren Gesang als andächtige Zuhörer gewonnen haben”, sagte Alexander Berkowitz (30) nach dem Gottesdienst.Schon der Morgen war etwas ganz Besonderes für die Sänger gewesen: der Papst hatte sie zu einer Open-Air-Audienz auf dem Petersplatz geladen und sie willkommen geheißen. “Das hat uns sehr stolz gemacht”, sagt Peter Becker, der als “Begleitvater” mit dabei war, “denn diese Ehre hatten nur wenige der etwa 10 000 Anwesenden”.

Der Tag gestern war der Höhepunkt der Romreise, zu dem der Neue Knabenchor Hamburg am Sonntag aufgebrochen war. Bereits am Abend des ersten Tages gaben sie in der prächtigen Kirche St. Ignatius ein zweistündiges Konzert. Die Kirche war mit etwa 400 Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt, das Programm anspruchsvoll: 17 Lieder, darunter Werke von Puccini und Rossini – einige als Reminiszenz an die Gastgeber in lateinischer Sprache gesungen. Besonders großen Applaus erntete Jannis Hesse (13) für sein Orgelspiel.

Am nächsten Tag war Entspannung angesagt: Vormittags stand eine Stadtbesichtigung auf dem Programm – Kolosseum, Trevi-Brunnen und Piazza Venezia -, den Nachmittag konnten die Sänger verbringen, wie sie wollten: Eis essen auf der Spanischen Treppe, Postkarten und Souvenirs kaufen oder vom Park Villa Borghese auf die sonnenbeschienene Ewige Stadt hinabschauen.

“Die Tage in Rom waren das größte Erlebnis in unserer Chorgeschichte”, sagt Tobias Poensken (11). Und Maurice Lange (12) fügt hinzu: “Aber im Petersdom singen zu dürfen, war das Größte.”

Hamburger Abendblatt, 17.10.2009

Hamburger Knabenchor darf vor Papst im Petersdom singen

Ritterschlag für den Neuen Hamburger Knabenchor: Die jungen Sänger reisen nach Rom, wo sie vor Papst Benedikt XVI. auftreten werden.

Michel, St. Katharinen, Dresdner Frauenkirche und Deutscher Bundestag – der Neue Hamburger Knabenchor ist schon an vielen sehr ehrwürdigen Veranstaltungsorten aufgetreten. In der kommenden Woche folgt die Krönung in der knapp 20-jährigen Chorgeschichte: ein Auftritt und eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. im Petersdom am kommenden Mittwoch. Vier Tage bleiben die Sänger in der ewigen Stadt – auf dem Programm stehen ein weiteres Konzert in der mit prächtigen Fresken geschmückten Kirche St. Ignatius, ein Tag am Meer und, natürlich, eine ausgiebige Stadtbesichtigung.

Sonntagnachmittag beginnt die Reise für die 50 Sängerknaben, von denen einige schon junge Männer sind. So wie David Radtke (21), der seit zwölf Jahren im Chor mitsingt: “Wir haben schon viele Chorreisen gemacht, aber vor dem Papst aufzutreten ist besonders spannend”, sagt er. Auch Malte Preuß (12) ist schon aufgeregt: “Das wird meine erste Flugreise mit dem Chor.”

Natürlich wird man nicht einfach so eingeladen, im Petersdom und in einer weiteren berühmten Kirche zu singen. Was macht diesen Erfolg möglich? “Das gemeinschaftliche Erleben der Musik fördert die Freude am Singen und motiviert die Sänger zu Höchstleistungen”, sagt Chorleiter Ulrich Kaiser (26). Mindestens fünf Gesangsproben pro Woche, individuelle Stimmbildung und Chor-Wochenenden sind weitere Paten dieses Erfolges.

WELT am Sonntag, 08.06.2008

Sänger und Senatschef im Partnerlook

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gilt als jemand, der sich auf seine Termine immer gut vorbereitet. Am Dienstag schien es so, als würde er sogar seine Kleidung auf seinen Besuch abstimmen. Als der Senatschef den Neuen Knabenchor empfing, standen er und die jungen Sänger plötzlich im Partnerlook auf der Rathaustreppe: weißes Hemd, roter Schlips und darüber etwas Graues – die Knaben einen Pullunder, der Politiker ein Jackett. Entweder hat der Bürgermeister sich beim letzten Auftritt die Kluft der jungen Sänger gemerkt oder er hat den grauen Anzug an dem Tag nur zufällig aus dem Schrank gezogen. Dass von Beust auf dem Foto ein wenig wie der Chorleiter aussieht, passt ja irgendwie zu seinem Amt: Schließlich muss er Tag für Tag die Senatsmitglieder dirigieren und darauf achten, dass statt Dissonanzen möglichst viel Harmonisches nach außen dringt.

Die Mitglieder des Knabenchores, der zu den größten Ensembles der Staatlichen Musikschule gehört, waren jedenfalls vom Besuch im Rathaus begeistert. Beim Rundgang erhielten sie Einblick in die Arbeitswelt der Politiker.

Hamburger Abendblatt, 25. Oktober 2007

Hamburger Knabenchor singt im Bundestag

Der Neue Knabenchor Hamburg wird am 18. November 2007 anlässlich der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin für den musikalischen Rahmen sorgen.

Die Kinder und jungen Männer zwischen 8 und 28 Jahren tragen Werke von Mendelssohn Bartholdy, Lechner und Distler vor. Die Feierstunde beginnt um 16:00 Uhr und wird von der ARD live übertragen.

Die diesjährige Veranstaltung beschäftigt sich mit dem Thema „Zerstörte Lebensläufe – nie erlebte Zukunft“ und richtet die Aufmerksamkeit auf die zahllosen Einzelschicksale der Menschen, denen das Leben durch den Zweiten Weltkrieg genommen wurde. Die Gedenkrede hält Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (MdB), das Totengedenken spricht Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler. Der Chor folgt einer Einladung des Hamburger Senats. Der Erste Bürgermeister, Ole von Beust, übernimmt am 1.November 2007 turnusgemäß die Bundesratspräsidentschaft.

„Die Einladung ist für uns eine besondere Ehre und eine Verpflichtung zugleich“, sagt Chorleiter Ulrich Kaiser. „Wir proben sehr diszipliniert und sind gut vorbereitet. Aber Anlass und Ort sind schon etwas ganz Besonderes. Es wird für die Kinder und Jugendlichen eine neue und wertvolle Erfahrung sein, dass sie mit ihrem Gesang dazu beitragen können, dass die Erinnerung an die Opfer würdevoll wach gehalten wird.“

Neben dem mit Spannung erwarteten Auftritt werden der anschließende Empfang beim Bundespräsidenten und die Führung durch das Reichstagsgebäude weitere Höhepunkte für die Harvestehuder Sänger sein.

In dem 1991 gegründeten ambitionierten Knabenchor erhalten in drei Vorchören, Hauptchor und Männerchor über 100 Kinder und Jugendliche ab vier Jahren eine umfangreiche musikalische Förderung und Gesangsausbildung. Ulrich Kaiser, der seine musikalischen Wurzeln im Dresdener Kreuzchor und im Windsbacher Knabenchor hat, leitet den bei der Staatlichen Jugendmusikschule angesiedelten Chor seit 2003 sehr erfolgreich.

Erleben kann man den Neuen Knabenchor Hamburg im Dezember bei zahlreichen Konzerten in den Hamburger Hauptkirchen und am 22. Dezember 2007, um 16:00 Uhr, in St. Johannis in Harvestehude.

Ausschnitte aus der Fernsehsendung: